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Die Jahre 1936 - 2004

Nach der Gründungsversammlung des Bürger-Schützen-Vereins 1936 e.V. Kapellen-Erft, die mit grosser Begeisterung am 15. November 1936 im Gasthof „Zur Post“ (Zöller) stattfand, wurde auch unser Jägerkorps aus der Taufe gehoben. Zunächst zaghaft, dann spontan, bildeten sich eine Reihe von Jägerzügen, die sich aus bereits bestehenden Vereinen, Strassenbekanntschaften und ehemaligen Schulklassen zusammensetzten. Nach dem Vorbild benachbarter Schützenvereine mussten entsprechende Uniformen beschafft werden, die ausgeliehen wurden. Schon damals wie auch heute noch stellte die Ausleihung eine grosse finanzielle Belastung für die Züge dar. Jeder Groschen mußte eisern gespart werden. Viele Schützen verdienten sich beim „Knolle dönne“ (Rübeneinzeln) das nötige Geld.

Zum ersten Jägermajor wählte man Johann Schlösser aus Tüschenbroich. Als Adjutant stand ihm Anton Krall zur Seite.

Doch bevor die Züge am Schützenfest, das schon damals am ersten Sonntag des Monats Juni stattfand, teilnehmen durften, musste der entsprechende Gewehrgriff zum „Präsentieren“ und natürlich der Paradeschritt geübt werden. Bis zur heutigen Zeit haben diese "Rituale" ihre Gültigkeit nicht verloren. Damals traf man sich an verschiedenen Stellen im Dorf, so z.B. „An de zwei Pööl“, „Am Rosenend“ oder am Sportplatz, um einige Wochen vor Schützenfest fleissig „Parade zu kloppen“. Eine alte Trommel oder ein Kessel gaben den entsprechenden Takt an. Eine Generalprobe fand dann jeweils nach dem Königsvogelschießen statt.

Heute trifft man sich vor dem Schützenfest z.B. im Industriegebiet, um den letzten „Paradeschliff“ zu erhalten. Die Trommel ist allerdings leider dem Kassettenrecorder mit Marschmusik gewichen. Jedoch gilt auch heute noch das Motto "Vor dem Erfolg steht der Schweiss".Nachdem die Spargroschen, die vom Zugkassierer verwaltet wurden, ausgezahlt wurden, und die Uniformen beschafft waren, konnte das Schützenfest beginnen.

Vor dem Schützenfest wurde das Dorf noch verschönert. Fensterrahmen, Fensterläden und Haustore bekamen einen neuen Anstrich, meistens mit dem traditionellen „Poze-grön“. Alle Strassen waren festlich mit Girlanden, Birkenmaien und den damals üblichen Fahnen geschmückt.

Am Schützenfest-Sonntagmorgen trat unser grün-weisses Korps dann bei Jägermajor Johann Schlösser im Tüschenbroich an. Nach einer kurzen Inspektion der „Jägerfront“, die schon damals eine ansehnliche Länge aufwies, zog man mit klingendem Spiel zur Neusser Straße.

Von dort marschierte unser Jägerkorps geschlossen mit den anderen Formationen zum Kirchgang. Die Paraden und Umzüge bildeten die Höhepunkte des ersten Schützenfestes 1937.

Im Herbst 1937 wurde dann eine Jägerfahne unter großen finanziellen Opfern angeschafft, und im Saale Glasmacher feierlich geweiht. Die Fahne wurde 1938 vom Jägerzug „Schwanenburg“ unter Zugführer W. Schmitz übernommen. Weiterhin gehörten dem Jägerzug „Schwanenburg“ folgende Schützen an:

Flügelleutnant W. Meuser, Fahnenträger Wienand Sieger, sowie die Fahnenoffiziere Th. Brings und Gottfried Schmitz. Leider ging die Jägerfahne in den Kriegswirren des 2. Weltkrieges verloren.

Das Jägerkorps wuchs und erlebte eine erste Blütezeit, ehe dann der schreckliche Krieg von 1939 bis 1945 dem Schützenwesen ein jähes - aber ja nur ein vorübergehendes - Ende bereitete. Viele Kameraden des Jägerkorps kamen nicht zurück.

1949, vier Jahre nach Kriegsende, sammelten sich zaghaft wieder Jägerzüge unter ihren alten Zugnamen. Spontan gründeten sich auch neue Jägerzüge und 1950 freute man sich, das erste Schützenfest nach dem Krieg feiern zu können. Allerdings unter Einschränkungen. Das Tragen von Degen wurde von der damaligen Militärregierung untersagt. Die Offiziere fanden aber eine andere Lösung. Sie präsentierten an Stelle der Degen ihre mitgeführten Reitpeitschen.

Jedoch, was ist ein Korps ohne Fahne?

Wie schon erwähnt war die erste Fahne des Jägerkorps ein Opfer des Krieges geworden. Deshalb wurde 1951 eine neue Fahne bei der „Bonner Fahnenfabrik“ in Auftrag gegeben. Wie sich zeigte, ein mutiges Unterfangen! Mit vielen Spenden, Scheibenschieß-Veranstaltungen und mittels Fahnennägeln konnte ein ansehnlicher Betrag erwirtschaftet werden, mit dem dann die Finanzierung der neuen Jägerfahne erst ermöglicht wurde.

Der Fackelzug am Vorabend des Schützenfestes nahm seinen technischen Aufschwung. Wurden doch die Kunstwerke aus Draht und Papier anstatt mit Kerzen jetzt durch elektrisches Licht beleuchtet. Die Ideen zum Bau einer Großfackel wurden und werden meist in den Zugversammlungen geboren und besprochen. In vielen Wochen vor dem Fest gehen die Schützenkameraden an die Arbeit. Handwerklich und technisch versierte Zugmitglieder, Tüftler und geschickte Hände sind in diesen Wochen besonders gefragt. Die Erstellung einer Großfackel führt auch heute noch die Zugmitglieder in Vorfreude zusammen.

Das Gemeinschaftserlebnis ist auch eine Entschädigung für die geopferte Freizeit. Fackelrichtfeste mit Erbsensuppe, Schnittchen und natürlich mit Bier sind der Lohn für die vielen Mühen.

An dieser Stelle soll auch allen Kapellener Bürgern gedankt werden, die zum Fackelbau geeignete Plätze zur Verfügung stellen.

Heinrich Helten genannt „Spieß", der 1951 zum Jägeradjutanten bestimmt wurde, löste den inzwischen 74jährigen Johann Schlösser als Jägermajor ab, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen konnte. Unter Heinrich Helten konnte das Jägerkorps erneut um einige Jägerzüge vergrößert werden. Als ehemaliger Hauptfeldwebel (Spieß) verstand er es, sich stets mit lauter Stimme sehr energisch durchzusetzen.

1955, anläßlich des Jägerfestes, wurde eine zweite Jägerfahne vom damaligen Präsidenten des Bürger-Schützen-Vereins, Hubert Winzen, der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Anschaffung der Fahne war erforderlich geworden, da unser Jägerkorps mittlerweile stark vergrößert - in zwei Abteilungen gegliedert - bei den Festzügen aufmarschierte.

Heinrich Helten führte unser Jägerkorps 21 Jahre mit großem Eifer, Engagement und Erfolg, ehe er aus gesundheitlichen Gründen 1973 sein Amt weitergab. Er hatte seinen Freund und Nachfolger, Peter Winzen, sehr gut anlernen können, denn dieser war 10 Jahre lang sein Adjutant gewesen. Neuer Jägeradjutant wurde dann neben Peter Winzen Hauptmann Adam Hösen.

Nach mehrjähriger erfolgreicher Tätigkeit als Jägermajor wählte man Peter Winzen 1976 zum Präsidenten des Bürger-Schützen-Vereins. Er wurde in diesem Amt Nachfolger seines für uns unvergessenen Bruders, Hubert Winzen.

Bei der nun folgenden Jahreshauptversammlung des Jägerkorps wählten die Mitglieder den Hauptmann der Jägerfahnenkompanie, Peter Schlösser, zum neuen Jägermajor. Jägeradjutant an seiner Seite blieb Adam Hösen, bis er 1982 dann von Oberleutnant Walter Schmitz abgelöst wurde.

Eine Bereicherung des Jägerkorpslebens ist zweifelsfrei das jährliche Jägerpokalschießen. Es wird seit 1977 regelmäßig Ende März im „Haus Hages“ durchgeführt. Eine jeweils hohe Beteiligung zeigt bis heute die Beliebtheit dieser Veranstaltung. Die Jägerschützen schossen damals neun Wanderpokale aus, die beim Jägerfest - jeweils mit den entsprechenden Urkunden- den Siegern überreicht wurden. Inzwischen hat man die Pokale durch Siegerplaketten ersetzt, die heute bei den Festumzügen von den siegreichen Schützen getragen werden.

Aus dem Jägerkorps gingen von 1936 bis 1996 23 Schützenkönige hervor. Erster in dieser langen Reihe war Josef Pesch vom Jägerzug „Edelweiß“. Er wurde am Schützenfestmontag 1939 im Saale „Glasmacher“ gekrönt. Es spielte eine Militärkapelle aus Düsseldorf zum Frühkonzert und nachmittags zur Krönung auf.

1953/1954 wurde Karl Stübben Schützenkönig. Lange Jahre danach marschierte er als über 80-jähriger noch als aktiver Schütze des Jägerzug "Heiderös’chen" mit. Keine Parade und keinen Umzug ließ er aus. Für diese bemerkenswerte Leistung ernannte man ihn zum Ehrenmitglied des Bürger-Schützen-Vereins.

1955/56 wurde dann Fredi Hess zum König aller Schützen gekrönt. Jean Hoff folgte ihm in der Regentschaft 1956 / 1957. Er war zwischenzeitlich aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Königsadjutant zum Ehrenmitglied des Bürger-Schützen-Vereins ernannt worden. Im Schützenjahr 1964/65 errang Willi Belz vom Jägerzug „Waidmannsheil“ die Königswürde.

Anläßlich des 25-jährigen Bestehens des Bürger-Schützen-Verein wurde Kornelius Hüsgen (1936 Mitgründer des JGZ „Frei Weg“) Schützenkönig in Kapellen. Mit seiner Königin Käthe bejubelte ihn im Jahre 1960/1961 die Kapellener Bevölkerung bei den Umzügen.

1965/1966 war dann Peter Kröll vom Jägerzug „Erftstolz“ der treffsicherste Schütze an der Vogelschußstange. Sein Nachfolger als Schützenkönig wurde dann der langjährige Schießmeister des Jägerkorps und des Regimentes, Jakob Meffert. Christian Bresser, ebenfalls Mitglied des Jägerzuges „Erftstolz“, schoß 1967 den Rest des Vogels von der Stange. Mit Hans Müller vom Jägerzug „Lustige Brüder“ errang 1968 wiederum ein Jägerschütze die höchste Würde im Schützenwesen.

Im Jahre 1971 sicherte sich Willi Schlosser die Königswürden. Er konnte seinem Nachfolger Fred Kremer vom Jägerzug „Fidele Jungs“ sicherlich manch hilfreichen Hinweis für seine Regierungszeit geben. Mit Theo Hodissen konnte der Jägerzug „Lustige Brüder“ 1973 wieder einen Kronprinzen stellen. 1976, anläßlich des 40-jährigen Geburtstages des Bürger-Schützen-Vereins, war dann unser damaliger Jägermajor Peter Winzen an der Vogelschußstange siegreich. Ehrenjäger-Major Heinrich Helten wollte da nicht zurückstehen, und sicherte sich 1978 die Königswürde. 1979 trat Dieter Hösen vom Jägerzug „Flotte Boschte“ als Sieger von der Schießstange. Im Jahre 1981 hatte dann Karl-Josef Thienen vom Jägerzug „Selde Blömcher“ das Glück auf seiner Seite.

1985 konnte Leo Hösen, Mitglied des Jägerzuges „Fidele Jungs“, den Vogel von der Stange schießen. Für ihn ging damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Im Jubiläumsjahr 1986 (50-jähriges Jubiläum des Bürger-Schützen- Vereins) konnte er die Reihen seiner Schützenkameraden bei der Königsparade abschreiten. Gleichzeitig wurde er in diesem Jahr auch Stadtschützenkönig. Der damaligen Zeremonie im Montanushof in Grevenbroich wohnten zahlreiche Kapellener Schützen bei. Der „Dorfplatz“ war in Kapellener Hand !

1987 begann dann eine neue Ära im Jägerkorps Kapellen-Erft. Jägermajor Peter Schlösser trat mit Ablauf des Jägerfestes 1987 zurück. Er machte dadurch Platz für seinen Adjutanten Karl-Josef Pesch, den er nach dem Ausscheiden von Walter Schmitz bestimmt hatte. Nach der Wahl durch die Jägervollversammlung stellte Karl-Josef Pesch mit seinem Bruder Ludwig Pesch seinen neuen Adjutanten vor.

Da Generaloberst Peter Tolles aus gesundheitlichen Gründen die Regimentsführung niederlegte, wurde Karl-Josef Pesch im Mai 1993 zum neuen Oberst des Regiments gewählt. Zur Wahl stellten sich seinerzeit Adjutant Ludwig Pesch, der dem Jägerzug „Flotte Boschte“ angehört, sowie Hauptmann Peter Türks von der Jägerfahnen-Kompanie. Die Mehrheit der damaligen Vollversammlung des Jahres 1993 schenkte Ludwig Pesch ihr Vertrauen. Zu seinem Adjutanten bestimmte der neue Jägermajor Berthold Königs vom Jägerzug „Flotte Boschte“.

Die Tradition der Schützenkönige, die aus dem Jägerkorps Kapellen hervorgingen, setzte sich auch nach dem Jubiläum des Bürger-Schützen-Vereins im Jahre 1986 fort.

Der Jägerzug „Zwei zu Fuffzehn“ blickt 1989/90 zu seinem 40-jährigen Bestehen mit Stolz auf sein beliebtes Königspaar Karl und Käthe Breuer. Dem ging aber folgenes Anekdötchen voraus: Karl Breuer genannt „Klitsch“ unterschrieb einen leeren Bierdeckel. Dieser wurde nachträglich in seiner Abwesenheit mit folgendem Wortlaut beschrieben.

Hiermit erkläre ich eidesstattlich, daß ich 1989, im Jahre des 40-jährigen Bestehens vom Jägerzug „2:15“, die Königswürde des Bürger-Schützen-Verein übernehme!

Heinz Kröll vom Jägerzug „Veilchenblau“, der aufgrund seiner Verdienste für unser Korps zum Ehrenhauptmann ernannt wurde, regierte 1989/90. Ihm folgte für das Schützenjahr 1990/91 Peter Türks von der „Jägerfahnen-Kompanie“.

Im Jahre 1991 gelang Walter Schmitz, ebenfalls einem Mitglied der "Jägerfahnenkompanie", der entscheidende Königsschuss. Hans-Dieter Franken war 1994 der strahlende Sieger an der Schießstange. Anläßlich des 60. Geburtstages des Bürger-Schützen-Vereins schreitet mit Hans Reisdorf vom Jägerzug "Frei weg" erneut ein Mitglied unseres Jägerkorps als Schützenkönig die Reihe des Schützenregimentes ab. Ursprünglich bereits für den 60.Geburtstag des Bürger-Schützen-Vereins geplant , gelang Berthold Königs im Jahre 1997 der entscheidene Schuss. Ihrem Namen konnten Berthold I. und seine Königin Luise nicht gerecht werden, denn „Königswetter” hatten die beiden am Schützenfestsonntag des Jahres 1998 leider nicht. Trotz alledem gelang es den ihnen mit ihrem Hofstaat, im Schützenzelt für tolle Stimmung zu sorgen.

Seit 1998 trat dann schützenkönigsmäßig im Jägerkorps eine Flaute ein, ehe im Jahre 2001 dann neben Friedhelm Roth vom Hubertuskorps gleich drei Jägerschützen an die Vogelstange traten. Hierbei konnte sich Thomas Heuser vom Jägerzug “Edelweiss” durchsetzen und regierte im Jahr 2003 die Kapellener Schützen.

Mitlerweile wurde im Rahmen des Jägerschiessens aufgrund eines Beschlusses der Jahreshauptversammlung auch ein Korpskönigs ausgeschossen. So war es dann im Kahr 2000 Paul Becker vom Zug “Freischütz”, der sich die Königswürde sichern konnte und im Rahmen des Jägerfestes im Oktober des selben Jahres gekrönt wurde. 2001 folgte ihm dann Karl Hildebrand vom Zug “Edelweiss”. Im darauffolgenden Jahr sicherte sich Harald Pütz vom Jägerzug “Erftstolz” die Königswürde, bevor dann im Jahr 2003 Karl Heinz (Kalle) Köhlings aus den Reihen des Zuges “Gut Schluck” zum neuen Korpskönig gekrönt wurde. Im folgte im Oktober 2004 das Königspaar Manfred I. Barwinski mit seiner Frau Karla vom Jägerzug “Auf der Pirsch”, der unter besonderen Umständen im Rahmen des Jägerschiessen den Königsvogel abschoss. Manfred Barwinski war zu dem Zeitpunkt seiner Krönung zum BSV- Kronprinzen avanciert, als er am Nachmittag des Schützenbiwaks im August 2004 als einzigster Kandidat mit dem 145. Schuss abschoss. Das BSV-Schiessen musste im Vorfeld des Schützenbiwaks stattfinden, da sich am Schützenfestdienstag kein Schütze zum Königsvogelschuss meldete.

Zum Schützenfest des Jahres 2004 wurden von 4 Jägerzügen Grossfackeln gebaut, die bei der Fackelprämierung folgende Plätze belegten: “Schwanenburg” mit “Der Versprecher” Platz 9, “Flotte Boschte” mit “Die Traumhochzeit” Platz 6, “Copernicus” mit “Findet Nemo” Platz 5 und “Auf der Pirsch” mit “Die Alcoposversuchung” den 2. Platz.

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